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EUrotik

Because Europeans Do It Better

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22

01

2008

Sprayservativ

Nach Pickelhaube und Uniform - ist der Präser-Zerstäuber die neue Norm! Unsere charmanten Nachbarn von der anderen Rheinseite sprühen vor kreativen Ideen - umhüllt von ihrer unerschütterlichen "Deutschen Qualität". Diesem Ruf stets gerecht, will Jan Vinzenz Krause, Mitglied des Institute for Condom Consultancy, nun die Anti-Ansteckungs-Garderobe anders (auf)tragen und der Latexindustrie ordentlich Gummi geben.

Kunststoff macht dem Dunst Platz: das SprayKondom, exklusive und patentierte Erfindung, wird in geraumer Zeit den Schlafzimmermarkt auf den Kopf stellen. Im Frühjahr 2008 wird das Pschhhhht-Kondom zuerst auf den deutschen Alkoven-Markt drängen. Schluss also mit faulen Ausreden à la "Dickhäuter-Rüssel" oder "phallische Erstickungsgefahr", um nicht zu ver(t)hüten!

In einem Blog-Interview verspricht Krause, dass sich sein prophylaktisches Spray "der Form des Gliedes perfekt anpasst" und "wunderbare Sensationen" hervorruft. Technisch gesehen sind die Anforderungen allerdings strikt und richten sich nicht unbedingt an Genital-Klaustrophobiker: "es genügt, sein erigiertes Glied in ein Rohrsystem in Form einer Dose einzuführen", erklärt sein Erfinder, "bevor man auf einen Knopf drückt, der eine hauchdünne Schicht Latex gleichmäßig auf den gesamten Penis aufsprüht".

Für die Ausrüstung - in « rot, gelb, grün oder transparent » - muss man zwischen 20 und 30 Euro für die "Bombe" einerseits und die Latex"patrone" andererseits berappen. Ob schrill oder explosiv: der farbenfreudige Penis muss gut 20 Sekunden - die Zeit der Trocknung - ausharren, um endlich startbereit zu sein. Leidens(ch)aft!

(Foto: ajeept/flickr)

29

11

2007

Äthero-sexuell

This post is also available in: French

Libido = null. In Anbetracht des allumfassenden Porno und der Diktatur des großen O, entscheidet so manch einer betttechnisch die Bettdecke lieber über den Kopf zu ziehen. Auch wenn Youporn und andere Prediger anrüchiger Unanständigkeiten uns vom Gegenteil zu überzeugen versuchen: die Lust ist manchmal im Streik. Panne? Abstinenz ?

Laut einer Ipsos-Studie vom Juni 2004 gaben 25 Prozent der befragten Französinnen und 15 Prozent der Männer an, in Keuschheit zu leben. Lieber Himmel! Und ob gewollt oder ungewollt: ein Drittel der Informanten schienen sich nicht im Geringsten an der Abwesenheit der „schönsten Sache der Welt“ zu stören.

Das Phänomen existiert, wird in der Presse kommentiert und von Psychiatern eifrig auseinanderklamüsert. Verdrängte Kindheitstraumata, Overdose des ‚Kommen um jeden Preis‘: mehr und mehr keusche Mittdreißiger stören sich eher peripher an dieser Lappalie. Ihr Motto: Schluss mit Lust(ig). „Asexuelle Revolution“: so nennt der französische Journalist Jean-François de Tonnac den gegenläufigen Trend sexuell offenherziger Gesellschaften.

Das 2006 auf dem ‚entschieden jungfräulichen‘ französischen Buchmarkt erschienene ‚No sex last year‘ zeugt abermals von einem zunehmenden Interesse am Durchschnittsalltag von quasi-vestalischen Paaren. Auch La Repubblica hatte den richtigen Riecher: ‚D‘, eine Beilage der italienischen Tageszeitung, widmete seine Titelseite den Anhängern der ‚No Sex‘-Bewegung.

Lichtjahre vom großstädtischen Sexualaktivismus entfernt, wimmelt es auch im Internet von Boten der Keuschheit. Als Ableger der Horizontal-Ajatollahs präsentiert sich das virtuelle asexuality.org als „Netz für gegenseitige Hilfe und die Sichtbarkeit von Asexualtität“. In den Foren der französischen Version finden sich instruktive Posts von „Kann ein Asexueller im Leben erfolgreich sein?“ bis hin zu „Sie liebten den Liebesakt“…

Diese Kaste der ‘Anti-Libidinisten’ - so das namentliche Pendant aus den Niederlanden – ist schlussendlich nichts weiter als die treue Jüngerschaft der ‚A-Pride‘-Einstellung, eine Bewegung von der anderen Seite des Atlantiks, die der Amerikaner David Jay in der Blüte seiner Jahre angestoßen hat. Sein Credo: „Asexualität betrifft nicht nur Amöben“. Na dann. Leben wir doch einfach unsere Identität als Hampelmänner ohne Männlichkeit.

Nach Penis-Superstar bricht nun die post-koitale Zeit der Finsternis an. Schluss mit sexuellen Freigeistern und anderen lasziven Kreaturen; Platz für standhafte Madonnen, unbefleckte Jünglinge, für eine Erotik mit Heiligenschein! Ein wollüstiger Hauch von Saty(i)r(e).

02

07

2007

Steife Werbekampagne?

Die europäischen Beamten denken also nur an das Eine! Laut der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera scheint in der PR-Abteilung des Programms "MEDIA 2007" der Europäischen Union ein sommerliches, hormonell gesteuertes Lüftchen zu wehen. Normalerweise ist das besagte Projekt, das ganz offiziell zu den kulturellen Initiativen der Gemeinschaft zählt, damit beauftragt, ein - wie oft behauptet - dahinscheidendes Kino zu unterstützen: Förderung von Spielfilmen, Vertrieb von Filmen, Hilfe bei der Umsetzung oder Seminare.

Ganz vertraulich finanziert "MEDIA" jedoch fast die Hälfte der Produktionen, die in den dunklen Sälen des Kontinents über die Leinwände laufen. Da Sex unmissverständlicher als Statistiken ist, haben die PR-Beauftragten von "MEDIA 2007" nicht an Höhepunkten im Film gespart.

Das Resultat: Ein erotisches Video als Werbekampagne. In einem der Werbespots von "MEDIA 2007" mit dem Titel Film Lovers Will Love This geht es ziemlich heiß her: In den 40 Sekunden des Films, der unter anderem schlüpfrige Details aus Die fabelhafte Welt der Amélie Poulain oder Tout sur ma Mère von Almodovar vereint, reihen sich ekstatische Gesichter, enthüllte Körper und zerknitterte Laken aneinander. Das Ensemble wird von Tremolos auf der Geige und zeitweise wildem Keuchen begleitet. Anstelle eines abschließenden Slogans erscheint ein doppeldeutiges „Let’s come together“: Sollen die Europäer zusammenkommen oder zusammen "kommen"?

Das Video hat schon jetzt den Zorn einiger polnischer Technokraten hervorgerufen, darunter der äußerst katholische „Verband polnischer Familien“, der über den Niedergang der Sitten und über die "unmoralischen Methoden" der EU klagt. Im aufkommenden Medientrubel war der Kommentar der Schwedin Margot Wallström beispielhaft. Die blonde Vize-Präsidentin der Kommission und PR-Beauftragte befürwortete die Ausstrahlung ohne mit der Wimper zu zucken: "Das Ganze ist Geschmackssache", erklärte sie sachlich.

26

06

2007

Der Meerschweinchen-Komplex

Codename Meerschweinchen. Lüsterner Blick und peroxydierte, wallende Lockenmähne. Das Wesen heißt entweder Jessica oder Sabrina, in jedem Fall ein Name, der auf -a endet. Sie ist äußerst knapp bekleidet, hat einen glossigen Mund, lackierte Fingernägel und kaut lasziv an ihrem Kaugummi. IQ? Fehlanzeige. Mancheiner bezeichnete sie delikat als "Schlampe", "Bitch" oder "Tussi".

Hat nicht irgendwer einmal gesagt, dass man studieren und unabhängig werden soll? Dass man auch mal "Nein" sagen kann? Und all das, um sich jetzt in Konkurrenz mit Großstadtzofen zu befinden. Warum zum Himmel sind SIE es aber, die systematisch die Nächte des männlichen Geschlechts beherrschen? Man findet sie plakatiert an Bushaltestellen, ihren Schmollmund zu einem O geformt, auf schwindelerregend hohen Stöckelschuhen und im Pantherlook durch die Gegend stolzierend. "Miss Billig" scheint alle Trümpfe in der Hand zu halten: Allzeit bereit, allzeit zur Stelle.

Warum versuchen witzig zu sein, wenn man die Herzen – oder zumindest die Körper - mit knallrotem Lippenstift und einer ordentlichen Portion Makeup gewinnen kann? Warum versuchen sich intelligent zu geben, wenn es schneller und einfacher mit geöltem Dekolleté geht? Dieses Unkraut gedeiht in künstlichem Licht, in der Bäckerei. Sogar vor dem Altenheim macht es nicht halt. Der Traum der Männer ist nicht mehr die Hausfrau hinter dem Herd, sondern die Porno-Darstellerin.

Muss Frau sich also eine Jahreskarte für die Sonnenbank kaufen, alles, was sie je gelesen hat vergessen und lernen, glucksend die Mähne in den Nacken zu werfen? Ja, verehrte Leserin, und nochmals ja! Denn im Jahr 2005 haben sehr ernstzunehmende Forscher der Universitäten Bristol, Aberdeen, und Edinburgh eine aufschlussreiche Studie veröffentlicht. Sie hatten den IQ von 1000 Jungen und Mädchen im Alter von 11 Jahren gemessen und 14 Jahre später nachgeprüft, ob diese Unschuldslämmer Erfolg bei der Partnersuche hatten. Die Ergebnisse sprechen für sich. Für eine Frau sinkt die Chance in einer festen Beziehung zu leben um 40 Prozent, jedesmal wenn ihr IQ um 16 Punkte auf der IQ-Skala steigt.

Das Zynische an den Resultaten ist jedoch, dass ein Mann "mit den gleichen intellektuellen Fähigkeiten eine 35 Prozent höhere Chance hat, in den Hafen der Ehe einzulaufen." Es ist also wissenschaftlich bewiesen: Die Männer bevorzugen "Dummchen". Und die, die sich als Dummchen ausgeben. Und dabei gilt wie überall: Übung macht den Meister.

07

06

2007

Mechanische Onanie

"Können Sextoys Frauen gegenüber dem Penis desensibilisieren?" Auf der Homepage des amerikanischen Magazins Esquire hat ein männlicher Leser in einem Anfall von Panik diese metaphysische Frage in den Raum gestellt.

Und es lohnt sich danach zu fragen, denn Europas Frauen wissen die vollautomatischen Spielgefährten mehr und mehr zu schätzen. Laut einer aktuellen Umfrage, besitzen mehr als die Hälfte der Isländerinnen, Schwedinnen und Britinnen einen kleinen elektronischen Freund; der Süden bleibt prüde und gibt sich ganz klassisch mit Rosenkränzen zufrieden.

Aber die barbarische Invasion des Ritters Dildo und seiner Knappen hat bereits begonnen. Vom Modell "I rub my Duckie", über den unwiderstehlichen "iGasm" bis hin zum mystischen "Jack the Rabbit", haben die als Hardcore klassifizierten Gegenstände längst die Schaufenster der Spezialläden verlassen, um vibrierend Stellung in den Supermärkten des Kontinents zu beziehen: Auf dem Weg auf die Nachttische und in die Handtaschen der städtischen Amazonen. Schluss mit den Sexshops rund um die verruchte Pariser Rotlichtmeile Pigalle. Die Fans können ihren liebsten Vibro oder Dildo schon im Ann Summers-Shop am Londoner Flughafen Luton erwerben, bevor sie dann wortwörtlich abheben.

Eine weitere kleine Revolution: der steigende Erfolg von so genannten Tuppervib-Abenden, die nach dem Prinzip der berühmten Hausfrauenabende aus den 50er Jahren funktionieren. Die Gastgeberin - mit allem Nötigen ausgestattet - zeigt ihren Gästen, was die Elektrobranche Neues zu bieten hat und die Spielzeuge können direkt in Aktion treten. Ein nettes Intermezzo und für die Organisatorinnen durchaus rentabel. Würde sich Herr Tupperware bei diesem Gedanken im Grab umdrehen?

Allzu schneller Geschäftssinn allerdings führt zu Problemen, wie der deutsche Erotik-Riese Beate Uhse erst kürzlich feststellen musste. Aufgrund einer Klage von Fußballspielern wurde der Konzern zu einer Strafe von 50 000 Euro verurteilt: er hatte einen Vibrator zum Verkauf angeboten, der die Initialen zweier Spieler der deutschen National-Elf während der WM 2006 trug. Leider ist nicht bekannt, ob dieser Zauberstab Erfolg bei den Frauen hatte.

17

05

2007

Wahlen unter der Gürtellinie

Sex sells. Die lebensbejahende Tania Dervaux, ihres Zeichens Vertreterin der belgischen Protestpartei 'NEE' (Nein) macht im Vorfeld der belgischen Senatswahlen am 10. Juni mit einem Wahlversprechen der besonderen Art von sich reden. Sie verspricht bedürftigen Belgiern 40 000 Jobs - Blowjobs.

Auf der Internetseite ihrer Partei kommt man gleich zur Sache: pro Stimme eine Fellatio. Der Deal lässt sich per Mausklick abschließen. Vollmundig verkündet Fräulein Dervaux, es würde sie lediglich 500 Tage kosten, ihr Wahlversprechen einzulösen, sollte sie (wie geplant) 80 Wählerwünsche pro Tag zu befriedigen haben.

Dieses Kalkül erhärtet den offensichtlichen Verdacht, dass es sich bei der besonderen Zuwendung um eine schlüpfrige Wahlkampfposse handelt. Man wolle die Öffentlichkeit "feinfühliger" machen für die gewagten Versprechen der anderen Parteien. Und wann entdecken die Polit-Gigolos der NEE- Partei das Potenzial der weiblichen Wählerschaft?